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Winfried Balzergestorben am 24. Juni 2025

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Als ich gerade meinen Führerschein gemacht hatte, sollte ich Wini
aus Göttingen abholen mit unserem WÄSCHREI-Bulli. Auf der Hinfahrt habe ich aus dem 34 PS-Motor alles rausgeholt, was ging.
Auf der Rückfahrt über die hügeligen Landstraßen bummelte ein alter Opa (wie ich jetzt) mit seinem Opel vor mir her, ich konnte ihn nicht überholen. Irgendwann platzte mir der Kragen und als ich sah, dass die Straße frei war, versuchte ich zu überholen. Plötzlich kam mir ein PKW entgegen, der aus einer Senke kam. Ich riss das Steuer nach links in den Graben, zum Glück war die Böschung flach, so kippte das Auto nicht um, lag nur sehr schräg und einen Meter vor einem Baum kam der Wagen zum stehen. Es gab damals ja noch keine Haltegurte. Etwas blass sagte Wini dann zu mir „ Bruder Heinrich, das war aber ganz schön eng“ , so hatte er mich vorher noch nie tituliert. Mit schlotternden Knien konnten wir den Graben verlassen.
Auf dem Rückweg sprachen wir kein Wort über den Vorfall, auch zu Hause nicht. Offensichtlich hat er auch Linde nichts von dem Vorgang erzählt, denn die hätte mir sicherlich das Wort zum Sonntag gesagt. Da wurde mir richtig klar, er war nicht nur der Freund meiner Schwester, sondern auch ein toller Kumpel. Auch später, als wir mit unseren Sieglinden in einem Auto nach Grado zum Zelten fuhren, hat er nie etwas davon gesagt, sondern meinen
Fahrkünsten vertraut. Ich habe jedenfalls eine Lektion fürs Leben erhalten. Er hat also geschwiegen bis ins Grab wie man so sagt,
und das hat mich tief beeindruckt.
Übrigens mit „Bruder Heinrich“ hat er mich danach öfters tituliert, meistens wenn wir gut drauf waren, es war ein Zeichen seines Vertrauens.